Knappe Budgets fordern strengere Selektion und Controlling.

Knappe Budgets fordern strengere Selektion und Controlling.

Die jahrelange Finanzkrise und wirtschaftliche Unsicherheit führen zu höherer Arbeitslosigkeit. In letzter Zeit trifft die Zunahme der Arbeitslosigkeit auch Österreich in verstärktem Maß. Minderqualifizierte haben es immer schwerer, ihren Job zu behalten bzw. eine neue Stelle zu finden. Andererseits werden durch die spürbare Kreditklemme, vor allem im KMU-Bereich, geplante Investitionen verschoben, was wiederum Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat. Der Kampf am Arbeitsmarkt wird verstärkt: Besser Qualifizierte verdrängen die weniger Qualifizierten, vor allem wenn diese kaum mehr verdienen.

In angespannten Zeiten verstärken sich die Bemühungen um die bestqualifizierten MitarbeiterInnen: So versuchen innovative Unternehmen durch Employer Branding am Arbeitsmarkt zu reüssieren, d. h. die besten Leute für sich zu gewinnen.

Auch die Bildungsanbieter sind von der Finanzkrise betroffen: Einerseits wird bei innerbetrieblichen Bildungsausgaben der Rotstift angesetzt und andererseits ist deutlich eine zunehmende Output-Orientierung festzustellen, d. h., Fortbildungsmaßnahmen müssen eine spürbare und auch für das (Finanz-) Controlling nachweisbare Veränderung mit sich bringen. Alle namhaften Anbieter im Erwachsenenbildungsbereich haben sich durch ihr Controlling-Angebot darauf eingestellt.

Bildungscontrolling soll sicherstellen, dass die Schulungsinhalte nachhaltig wirken. Die AuftraggeberInnen beauftragen das Controlling meist in einem Paket mit der Schulungsmaßnahme selbst. Stand bisher das Training selbst im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, so liegt das Hauptaugenmerk vieler AuftraggeberInnen heute bei den Maßnahmen rund um die eigentliche Schulung, wie z. B. dem Bildungscontrolling.

Der Schulungsmarkt ist wie alle modernen Märkte einem stetigen Wandel unterworfen. Die Finanzkrise hat nur bedingt Auswirkungen darauf. Die Änderungen bei der Nachfrage ergeben sich vor allem aus den laufenden Veränderungen und technologischen Entwicklungen.

Veränderungen bei Qualifizierungstrainings

Gewisse Grundqualifikationen, wie z. B. klassische Windows- oder Sprach-Schulungen, werden praktisch nicht mehr nachgefragt. Umstiegsschulungen sind hingegen gefragt, also z. B. für die Einführung einer neuen Microsoft® Office-Version. Starke Nachfrage gibt es auch bei reinen Fachschulungen für spezifische technische Qualifikationen. Außerdem sind bei der Sprachausbildung die Grundausbildungen rückläufig, spezifische Angebote wie technisches Englisch oder Französisch für Juristen etc. sind nach wie vor gefragt.

Veränderungen im Soft Skills-Schulungsbereich

Führungskräfte-Trainings sind weiterhin gefragt, weil die optimale Qualifikation von Multiplikatoren unabdingbar ist. Sales-Trainings sind ein Langzeit-Renner. Reine Motivationstrainings und auch Teambuilding-Maßnahmen hingegen sind stark rückläufig.

Finanzkrise: Schaden oder Nutzen für die Erwachsenenbildung?

Einerseits wird der Einsatz des kostengünstigeren E-Learnings beschleunigt und durch das Bildungscontrolling mehr Effizienz und Qualität der Schulungen garantiert. Andererseits werden aufgrund verringerter Finanzmittel einige Weiterbildungsmaßnahmen nicht mehr durchgeführt.

Insgesamt ist durch die Finanzkrise eher das Bewusstsein gestiegen, dass nur durch die Erhöhung der Bildungsstandards und forcierte Weiterbildungsmaßnahmen – Stichwort „Lebenslanges Lernen“ – der Wirtschaftsstandort Österreich gesichert werden kann.